Zur aktuellen Entwicklung von Hagia Chora

Was eigentlich ist Hagia Chora? Im Sinn steter Pflege des gemeinsamen Geists stand diese Frage im Zentrum der jüngsten Mitgliederversammlung des Vereins zur Förderung der Geomantie, Hagia Chora, die Anfang November 2007 in Krögis bei Meißen stattfand. Seit der Name Hagia Chora für Lehre und Verbreitung der zeitgenössischen Geomantie steht, hat sich die geistige Gestalt, die durch das Engagement vieler theoretisch und praktisch Mitwirkender entstanden ist, als wachsendes Wesen manifestiert, das von seinen Hüterinnen und Hütern manche Wandlung verlangt hat. Durch personelle Wechsel waren vor allem in jüngster Zeit Weg und Ziel nicht immer klar. Doch im genauen Hinspüren auf die Erfordernisse der Zeit einerseits und das Anliegen der gemeinsamen Gestalt „Hagia Chora“ andererseits wuchs dem inneren Kreis der Mut zu, die bisherige geschlossene Vereinsstruktur in eine offene, dezentrale Kooperation der Projektverantwortlichen zu überführen. Damit entgeht Hagia Chora einer drohenden strukturellen Verkrustung und gewinnt eine Identität zurück, die sich in Visionen, Werten und Haltungen ausdrückt.
Deren Quintessenz lautet: Wenn der Mensch, der nichts anderes als Natur ist, in sich so etwas wie Geist und Seele wahrnimmt, dann muss auch die Natur und damit der Planet als Ganzer mit Geist und Seele begabt sein. Die unmittelbare Erfahrung der beseelten Lebendigkeit der Natur führt zu einem mehrdimensionalen Bild der Wirklichkeit, aus dem ein partnerschaftliches Miteinander von Mensch, Erde und Kosmos wachsen kann. Dies mündet in eine Haltung, die in alle Lebensbereiche hineinwirkt, diese inspiriert und erwärmt.

Die Projekte verselbständigen sich
Der versammelten Runde bereitete es viel Freude, diese Haltung oder diesen Geist in Worte zu fassen, zeigte sich darin doch eine solide, gemeinsame Basis für alle Aktivitäten von Hagia Chora. Auf dieser Grundlage war es dann möglich, strukturelle Veränderungen auf der äußeren Ebene zu besprechen, ohne befürchten zu müssen, der gemeinsame Geist könne verlorengehen.
Die vergangenen Monate hatten deutlich gemacht, dass lange diskutierte Umstrukturierungen endlich in die Tat umgesetzt werden müssen. So hatte es immer wieder Blockierungen in der Vereinsarbeit gegeben, weil der Verein vorrangig für das wirtschaftlich umfangreiche Projekt der Ausbildung die volle Verantwortung trug. Diese Aufgabe lastete schwer auf den jeweiligen ehrenamtlichen Vorständen, was seit dem altersbedingten Ausscheiden des seinerzeitigen Geschäftsführers Richard Hornig den gesamten Organismus schwerfällig gemacht hatte. Aufgaben wie Forschung oder die Vernetzung der Fördermitglieder von Hagia Chora fanden kaum Raum. Dass es auch anders gehen kann, haben Lara Mallien und Johannes Heimrath mit ihrer Zeitschrift Haiga Chora seit Jahren vorgemacht: Sie waren und sind von Anfang an wirtschaftlich unabhängig, aber dem Verein Hagia Chora über den Namen und ihre Inhalte innig verbunden.
So soll es in Zukunft nun auch mit den anderen Projekten von Hagia Chora sein: Als wirtschaftlich selbständige Projekte formieren sich ab sofort die Reiseorganisation und die Ausbildung. Sandra Götz übernimmt bereits die Hagia-Chora-Reisen mit Marko Pogacnik im kommenden Jahr 2008 als eigenständiges Vorhaben, und Peter Frank führt die neue, erfreulich stark nachgefragte Hagia-Chora-Ausbildung fort. Beide tun dies als selbstverantwortliche Unternehmer, die von ihrer inhaltlichen Ausrichtung her dem Geist von Hagia Chora verpflichtet bleiben. Demselben Prinzip folgt auch das neue offene Seminarprogramm, das Sabine Mayer und Irena Söhnel unter dem Namen „Campus Hagia Chora“ als gemeinsames Unternehmen aus der Taufe heben.
Ausbildung, Seminarprogramm, Reisen und die Zeitschrift – in Zukunft haben also vier vitale Hagia-Chora-Projekte eine eigenständige Gestalt. Noch fehlt jedoch ein fünftes, wesentliches Element: das Netzwerk des Freundeskreises, das rund um Hagia Chora besteht. Absolventinnen und Absolventen der Ausbildungen, Teilnehmende früherer Konferenzen und Symposien, Dozentinnen und Dozenten der Ausbildungen und Seminare oder Leserinnen und Leser der Zeitschrift haben dem Verein Hagia Chora bisher als Fördermitglieder den Rücken gestärkt.

Die Stimme der Fördermitglieder
Die Versammlung in Krögis war sich einig, dass angesichts der neuen Struktur die bisher nicht stimmberechtigten Fördermitglieder eine eigene Stimme bekommen müssten. Die Netzwerkbildung würde damit in denselben Rang erhoben wie die Lehre der Geomantie oder die Herausgabe der Zeitschrift. Die Runde beschloss, keine vorgefertigte Antwort auf die Frage nach der zukünftigen Stellung der Fördermitglieder zu entwickeln, sondern die Fördermitglieder selbst nach ihren Wünschen und Vorstellungen über eine aktivere Rolle bei Hagia Chora zu befragen. Die Gelegenheit dazu bot sich im Anschluss an die Mitgliederversammlung beim jährlichen Fördermitgliedertreffen.
So kam es, dass am ersten Vormittag des Treffens die Fördermitglieder erst einmal ohne die aktiven Mitglieder des Vereins zusammensaßen, über gemeinsames Wünschen und Wollen berieten und eine sinnvolle Netzwerkarbeit im Kontext von Hagia Chora diskutierten.
Diese eigenständige, unbeeinflusste Runde war ein wichtiger Schritt zur Auflösung der alten Hierarchie zwischen dem inneren Kreis der bisherigen aktiven Mitglieder und dem äußeren Kreis der Fördermitglieder. In der anschließenden gemeinsamen Beratung sprachen viele die soziale und ethische Bedeutung an, die Hagia Chora für sie darstelle. Das Gefühl der Zugehörigkeit und der gemeinsamen Sache brauche aber mehr Möglichkeiten, sich beispielsweise in der persönlichen Arbeit zu manifestieren. Die jährlichen Treffen seien essenziell, und zusätzlich brauche es Foren für den gemeinsamen Austausch, etwa eine Projektbörse im Internet. Die Ideen für sinnvolle Netzwerkarbeit sprudelten, und es entstand der Wunsch, dafür ein neues, selbständiges Organ von Hagia Chora zu schaffen.
Schließlich übernahm ein achtköpfiges Team von Fördermitgliedern die Aufgabe, alle derzeitigen Fördermitglieder von Hagia Chora zu einem nächsten Treffen einzuladen, bei dem die Strukturen der neuen, eigenständigen Netzwerk-Initiative von Hagia Chora entwickelt werden sollen. Die Mitglieder des bisherigen inneren Kreises sind zwar als Berater ebenfalls eingeladen, haben sich aber selbst verpflichtet, in einer möglichen neuen Förderorganisation kein Amt zu übernehmen. Als Termin für das Treffen steht bereits fest: 4. bis 6. April 2008 in Nördlingen. Genaueres wird in einer Einladung an alle Fördermitglieder demnächst bekannt gegeben. Selbstverständlich sind auch Menschen, die sich dem Geist von Hagia Chora verbunden fühlen, aber keine Fördermitglieder sind, zu dieser wichtigen Versammlung ausdrücklich eingeladen.
Welche Rechtsform für das Netzwerk schließlich gefunden wird, bleibt dem Treffen überlassen. Erwünscht ist jedoch, dass sich das Netzwerk zusammen mit den vier selbständigen Projekten an einem sechsten Organ von Hagia Chora beteiligt, das von der Mitgliederversammlung beschlossen wurde: eine Stiftung, die in Zukunft den gemeinsamen Geist der Hagia-Chora-Projekte hütet.

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